Mein Erlebnis der Sonnenfinsternis am 12.08.2026 in Spanien
Rund 18 Monate vor dem Ereignis erfuhr ich von der Sonnenfinsternis in Spanien. Ab diesem Moment war für mich klar: Da muss ich hin! 🙂
Also begann ich mit den Vorbereitungen. Schnell war ein passender Campingplatz in der Nähe von Tarragona gefunden und gebucht. Damit stand der erste große Punkt fest – jetzt hieß es nur noch warten, planen und natürlich hoffen, dass am Tag der Sonnenfinsternis auch das Wetter mitspielen würde.

Je mehr ich mich mit der Sonnenfinsternis beschäftigte, desto schneller merkte ich, dass mir die rund 58 Sekunden Totalität am Campingplatz eigentlich nicht ausreichen würden. Also begann ich nach einem Ort zu suchen, an dem die totale Phase länger zu erleben sein würde.
Dabei stieß ich ziemlich schnell auf das Ebro-Delta in Spanien. Dieser Ort wurde von vielen Astronomen als einer der besten Plätze Europas für die Beobachtung der Totalität genannt.
Also begann ich, mich genauer mit der Gegend zu beschäftigen. Reisanbau, Flamingos, Salzgewinnung – klang interessant. Für mich war schnell klar: Passt. Das wird mein Ort für die Sonnenfinsternis.
Dann kam allerdings die Ernüchterung.
Egal, welche Unternehmung oder Unterkunft ich im Ebro-Delta anfragte, die Antwort war fast immer dieselbe: ausgebucht.
Und das bereits rund 18 Monate vor der Sonnenfinsternis.
Da wurde mir langsam klar, dass ich mit meiner Idee offenbar nicht ganz allein war. 🙂

Und da war er wieder, mein ursprünglicher Gedanke: Dann bleibe ich eben am Campingplatz.
Aber je länger ich darüber nachdachte, desto weniger gefiel mir diese Vorstellung. Der Strand würde vermutlich voller Menschen sein, die Atmosphäre entsprechend laut und unruhig – und auf meinen Fotos wäre wahrscheinlich deutlich mehr zu sehen als nur die Sonnenfinsternis.
Eigentlich wollte ich genau das Gegenteil: einen ruhigen Platz, möglichst wenig Trubel und freie Sicht, um diesen besonderen Moment ganz bewusst erleben und fotografieren zu können.Die Zeit verstrich und der große Tag rückte immer näher. Mittlerweile hatte ich mich mit dem Gedanken angefreundet, die Sonnenfinsternis einfach vom Strand aus zu erleben. Ich freute mich trotzdem riesig darauf und redete mir immer wieder ein: So schlimm wird es schon nicht werden.
Dann, ungefähr zwei Wochen vor unserem Urlaubsbeginn, landete plötzlich eine E-Mail auf Spanisch in meinem Postfach.
Mein erster Gedanke: Spam oder Werbung.
Ich war schon kurz davor, sie zu löschen, als mir der Absender auffiel: MónNatura.
Stopp.
Da war doch was.
Hatte ich dort nicht vor rund 18 Monaten angefragt?
Also öffnete ich die Mail doch noch und ließ mir den spanischen Text übersetzen. Und dann konnte ich es kaum glauben: Eine Familie war abgesprungen – und wir konnten die Plätze haben.
Stühle für alle Besucher. Reservierte Parkplätze. Maximal 60 Personen.
In diesem Moment begriff ich ziemlich schnell, was für ein Glück wir gerade hatten. Nach all den Absagen und dem Gedanken, die Sonnenfinsternis doch am vollen Strand zu erleben, bekamen wir plötzlich genau den Platz, den ich mir eigentlich von Anfang an gewünscht hatte.
Meine Antwort fiel deshalb auch ziemlich kurz aus:
„Vielen Dank. Ich nehme die Plätze.“
Dann war er endlich da – der große Tag.
Unser Campingplatz lag in der Nähe von Tarragona, also hatten wir ungefähr 90 Minuten Fahrt bis ins Ebro-Delta vor uns. Gegen 11 Uhr machten wir uns auf den Weg.
Je näher wir dem Delta kamen, desto deutlicher merkte man, dass heute kein ganz normaler Tag war. Überall standen Schilder mit irgendwelchen spanischen Hinweisen rund um die „Eclipse“. Ich ging sofort davon aus, dass der Verkehr wegen der vielen erwarteten Besucher umgeleitet wurde.
Also folgten auch wir der ausgeschilderten Umfahrung in Richtung MónNatura.
Dort angekommen, staunten wir erst einmal nicht schlecht.
Wir wurden direkt von einer deutschsprachigen Mitarbeiterin empfangen und bekamen einen eigenen Parkplatz zugewiesen. Spätestens in diesem Moment wurde mir klar: Das hier war tatsächlich organisiert – und wir waren wirklich dabei.
Als wir das Gebäude betraten, wurden wir direkt von einem Mitarbeiter empfangen. Er fragte nach unserem Namen und kurz darauf bekamen wir ein Kuvert mit Finsternisbrillen und Infomaterial überreicht.
Dann ging es hinaus auf das Gelände – und mein erster Gedanke war sofort: Nicht schlecht.
Es gab klimatisierte Räume, für die Kinder lagen Bastel- und Malsachen bereit und auf dem gesamten Gelände gab es WLAN. Außerdem gab es ein kleines Kino, in dem Informationsfilme rund um die Sonnenfinsternis und die Region gezeigt wurden.
Ein Aussichtsturm bot die Möglichkeit, mit Ferngläsern in Richtung der Flamingos zu schauen.
Auch auf dem Wasser war etwas geboten. Man konnte mit kleinen Booten fahren, ähnlich wie mit einem SUP. Dazu kamen Foodtrucks, gekühlte Getränke und verschiedene Aufenthaltsmöglichkeiten.
Wir merkten ziemlich schnell: Das hier war wirklich top organisiert.
Und spätestens jetzt war ich froh, dass ich diese E-Mail zwei Wochen vorher nicht einfach gelöscht hatte.




Als ich zwischendurch immer wieder nach draußen ging, fiel mir plötzlich etwas auf, das mir fast das Herz in die Hose rutschen ließ.
Beim ersten Blick war da nur ein kleines Wölkchen am Horizont.
15 Minuten später war aus diesem kleinen Wölkchen schon eine deutlich größere Wolke geworden. Und ungefähr eine Stunde später stand dort plötzlich eine riesige Wolkenwand.
Da wurde mir ziemlich schnell klar: Verdammt. Das ist ein Gewitter.
Ich konnte es kaum glauben. Ich bin im August in Spanien, eigentlich mit gefühlter Schönwetter-Garantie – und ausgerechnet heute zieht am Horizont ein Gewitter auf?
Sofort holte ich mein Handy raus und schaute in der Wetter-App nach, wie es an unserem Campingplatz aussah.
Und dann der nächste Schock: Dort war weiterhin schönstes Wetter.
In diesem Moment fragte ich mich zum ersten Mal ernsthaft:
War es wirklich die richtige Entscheidung gewesen, ins Ebro-Delta zu fahren?


Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich gefühlt alle zwei Minuten die Wetter-App öffnete.
Das konnte doch nicht wahr sein.
Da war tatsächlich ein Gewitter – und es zog genau in Richtung Sonne.
Mit der Zeit kamen immer mehr Einheimische auf das Gelände. Und auch bei ihnen sah man inzwischen die Sorge im Gesicht. Viele standen einfach da und blickten still in Richtung Horizont.
Dann endlich der erste kleine Lichtblick.
Auf dem Wetterradar sah es plötzlich so aus, als würde das Gewitter langsam weiterziehen.
Also wieder schnell den Campingplatz gecheckt.
Und dort?
Nach wie vor schönstes Wetter.
In meinem Kopf lief inzwischen nur noch eine Frage: Hätte ich doch einfach dort bleiben sollen?
Das Gewitter blieb eine ganze Weile am Horizont und die Anspannung ließ einfach nicht nach.
Zwischendurch war ich wieder im klimatisierten Gebäude. Nach einigen Minuten fiel mir plötzlich auf, dass sich die Stimmung draußen verändert hatte. Bei den Einheimischen war regelrecht Erleichterung zu spüren.
Und dann verstand ich auch warum.
Die Sonnenfinsternis würde tatsächlich zu sehen sein.
Da die Sonne bereits sehr tief am Horizont stand, lag sie unterhalb der Wolkenfront. Das Gewitter war zwar noch da, aber die Sicht auf die Sonne war frei.
Gegen 19:30 Uhr begann die Finsternis.
Wir setzten unsere Finsternisbrillen auf und gingen zu unseren reservierten Plätzen.
Mit jeder Minute wurde das Licht schwächer und die Stimmung auf dem Gelände immer besonderer. Während es langsam dunkler wurde, entdeckte ich jemanden, der sich einen wirklich außergewöhnlichen Platz ausgesucht hatte – vielleicht sogar den besten von allen.
Entschuldigt an dieser Stelle die schlechte Bildqualität, aber ich musste stark hineinzoomen, um diesen besonderen Platz überhaupt fotografieren zu können.
Gegen 20:20 Uhr war es bereits deutlich dunkler geworden.
Und dann passierte etwas, das ich so schnell nicht vergessen werde: Die Flamingos machten sich auf den Weg zu ihren Schlafplätzen.
Spätestens in diesem Moment merkte man, dass nicht nur wir Menschen auf die Sonnenfinsternis reagierten. Die gesamte Umgebung schien sich auf die kommende Dunkelheit einzustellen.




Es war kurz vor 20:30 Uhr.
Die Totalität begann.
Ich nahm die Finsternisbrille ab – und da war er: der Diamantring.
Für einen kurzen Moment war ich unsicher. Brille wieder auf? Oder unten lassen?
Ich entschied mich, sie unten zu lassen.
Mein Herz pochte.
Und dann war sie da.
Nach rund 18 Monaten Warten, Planen, Hoffen und Bangen: die Totalität.
Wunderschön. Mystisch. Still und irgendwie vollkommen unwirklich.
Die Sonne stand sehr tief am Horizont und wirkte dadurch besonders groß. Ich hatte diesen Moment so oft im Kopf durchgespielt. Kameraeinstellungen geübt, über das Stativ nachgedacht und genau geplant, was ich wann fotografieren wollte.
Und als es dann wirklich so weit war, kam alles anders.
Ich entschied mich dafür, die Kamera einfach Kamera sein zu lassen und diesen Moment zu genießen.
Ein einziges Panorama-Foto machte ich mit dem Smartphone.
Links wirkte der Himmel wie bei einem Sonnenuntergang, rechts wie bei einem Sonnenaufgang – und dazwischen lag der dunkle Mondschatten.
Danach setzte ich mich zusammen mit meiner Familie zurück auf meinen Platz und schaute einfach nur noch nach oben.
Keine Einstellungen mehr. Kein Herumprobieren. Kein Stress.
Nur die Totalität.
Als schließlich der erste Sonnenstrahl wieder hervorkam, kam allerdings noch eine ganz andere Erkenntnis.
Aua.
Was war denn jetzt los?
Während der Totalität hatten die Mücken offenbar beschlossen, dass nun ihre große Stunde gekommen war. Auf einmal waren sie unglaublich aktiv. 😀
Dann kehrte das Licht zurück.
Vom öffentlichen Strand in der Ferne hörten wir plötzlich tosenden Applaus. Die Menschen jubelten, die Flamingos flogen wieder los und langsam erwachte die Landschaft wieder zum Leben.
Und ich saß einfach nur da.
Nach 18 Monaten Vorbereitung war dieser Moment plötzlich vorbei.
Aber eines war mir sofort klar:
Ich werde ihn niemals vergessen.

Autor: Wonka Stefan
