Vier Smart-Teleskope, vier Konzepte – Seestar S50 Pro, DWARFLAB Draco, Vaonis Atlas und Sky-Watcher ORBIS 60EDX im Vergleich

Der Markt für Smart-Teleskope entwickelt sich rasant. Was vor wenigen Jahren noch als interessante technische Spielerei galt, hat sich inzwischen zu einer ernstzunehmenden Möglichkeit entwickelt, den Sternenhimmel zu fotografieren. Immer leistungsfähigere Sensoren, intelligente Bildverarbeitung und automatische Nachführung machen die Astrofotografie für viele Menschen zugänglicher.

Mit dem Seestar S50 Pro, dem DWARFLAB Draco, dem Vaonis Atlas und dem Sky-Watcher ORBIS 60EDX stehen vier besonders interessante Geräte im Mittelpunkt.

Doch welches Konzept überzeugt? Ist eine größere Öffnung automatisch besser? Und lohnt es sich, auf die kommenden Modelle zu warten?

Wir werfen einen Blick auf die bisher bekannten technischen Daten.

Vier Teleskope im technischen Vergleich

MerkmalSeestar S50 ProDWARFLAB DracoVaonis AtlasSky-Watcher ORBIS 60EDX
Öffnung50 mm90 mm80 mm60 mm
Brennweite260 mm340 mm360 mm300 mm
Öffnungsverhältnisf/5,2f/3,8f/4,5f/5
OptikAPO-RefraktorSpiegel-Linsen-SystemAPO-RefraktorED-Refraktor
SensorOS08B10OV50Q40Noch unbekanntSony IMX585*
Auflösung8,3 MPca. 12 MP bei BinningNoch unbekannt8,3 MP*
Aktive KühlungNeinJaNoch unbekanntNoch unbekannt
EQ-ModusJaJaNoch unbekanntNicht bestätigt
AutoguidingNeinJaNoch unbekanntNicht bestätigt
MosaikfunktionJaJaNoch unbekanntNoch unbekannt
Gewichtca. 2,8 kgca. 5,5 kgNoch unbekanntNoch unbekannt
Preisca. 999 €ab ca. 1.399 €Noch unbekanntNoch unbekannt

Die Tabelle basiert auf bisher veröffentlichten beziehungsweise berichteten technischen Angaben. Insbesondere beim Vaonis Atlas und Sky-Watcher ORBIS 60EDX fehlen noch endgültige Spezifikationen. Mit einem Sternchen gekennzeichnete Angaben sind vorläufig.

Seestar S50 Pro – der kompakte Allrounder

Das Seestar S50 Pro setzt auf das bewährte Konzept eines kompakten, vollautomatischen Smart-Teleskops.

Mit 50 mm Öffnung und 260 mm Brennweite richtet es sich vor allem an Anwender, die ohne großen technischen Aufwand in die Astrofotografie einsteigen oder ein leicht transportierbares Gerät suchen.

Seine Stärke liegt nicht allein in der Optik. Besonders die Kombination aus automatischer Objektsuche, Live-Stacking, Mosaikfunktion und EQ-Modus macht das Gerät interessant.

Auch längere Aufnahmeserien sind möglich. Wer sich intensiver mit der Bildbearbeitung beschäftigt, kann die aufgenommenen Einzelbilder später am Computer weiterverarbeiten.

Die Stärke des Seestar liegt im Gesamtpaket: kompakte Bauweise, umfangreiche Funktionen und ein vergleichsweise günstiger Einstiegspreis.

Die Grenze setzt allerdings die Öffnung von 50 mm. Gerade bei schwachen Deep-Sky-Objekten sind längere Gesamtbelichtungszeiten notwendig, um möglichst viele Details sichtbar zu machen.

DWARFLAB Draco – mehr Öffnung und aktive Kühlung

Mit dem Draco geht DWARFLAB einen anderen Weg.

Die angekündigten 90 mm Öffnung sind ein deutlicher Sprung gegenüber den 50 mm des Seestar. Hinzu kommt ein lichtstarkes Öffnungsverhältnis von f/3,8.

Besonders interessant ist die aktive Sensorkühlung. Sie kann das thermische Bildrauschen reduzieren und ist vor allem bei längeren Aufnahmeserien ein Vorteil.

Auch integriertes Guiding und die Möglichkeit längerer Belichtungen machen den Draco auf dem Papier zu einem leistungsfähigen Gerät für anspruchsvollere Deep-Sky-Aufnahmen.

Allerdings sollte man die technischen Daten nicht mit tatsächlicher Bildqualität gleichsetzen.

Entscheidend wird sein, wie gut die Nachführung arbeitet, wie zuverlässig die Software funktioniert und welche Ergebnisse das komplette optische System unter realen Bedingungen liefert.

Der Draco besitzt großes fotografisches Potenzial. Ob er dieses vollständig ausschöpfen kann, werden unabhängige Praxistests zeigen müssen.

Vaonis Atlas – der spannende neue Herausforderer

Mit dem Atlas kündigt Vaonis ein weiteres interessantes Smart-Teleskop an.

Die bisher genannten 80 mm Öffnung und 360 mm Brennweite lassen auf ein Gerät schließen, das sich deutlich oberhalb der kompakten Einsteigerklasse positionieren könnte.

Besonders interessant ist die Kombination aus größerer Öffnung und längerer Brennweite. Damit könnten kleinere Deep-Sky-Objekte, etwa Galaxien und planetarische Nebel, zu den interessanten Einsatzgebieten gehören.

Vaonis hat sich bereits mit seinen automatisierten Beobachtungskonzepten und der CovalENS-Mosaiktechnologie einen Namen gemacht.

Ob und in welcher Form diese Funktionen im Atlas verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten.

Auch die Fragen nach Sensor, Kühlung, Gewicht, Nachführung und Preis sind noch offen.

Die ausführliche Vorstellung ist für den 15. Oktober 2026 angekündigt.

Der Atlas könnte einer der interessantesten Konkurrenten des Draco werden. Für ein abschließendes Urteil ist es allerdings noch zu früh.

Sky-Watcher ORBIS 60EDX – ein etwas anderes Konzept

Sky-Watcher könnte mit dem ORBIS 60EDX eine interessante Alternative auf den Markt bringen.

Mit 60 mm Öffnung und 300 mm Brennweite liegt das Gerät optisch zwischen dem Seestar S50 Pro und den größeren Modellen von DWARFLAB und Vaonis.

Eine Besonderheit ist das angekündigte echte optische Okular.

Während viele Smart-Teleskope den Sternenhimmel ausschließlich über das Smartphone oder Tablet zeigen, soll der ORBIS auch die direkte Beobachtung ermöglichen.

Damit verbindet Sky-Watcher zwei Welten: klassische visuelle Astronomie und moderne digitale Astrofotografie.

Für Sternwarten, öffentliche Beobachtungsabende und Familien könnte dieses Konzept besonders interessant sein.

Noch fehlen allerdings wichtige Informationen über die Software, die Nachführung und die maximal möglichen Einzelbelichtungen.

Auch der Preis dürfte entscheidend dafür sein, wie attraktiv der ORBIS gegenüber dem Seestar wird.

Mehr Öffnung bedeutet nicht nur mehr Licht, sondern auch mehr Details

Beim Vergleich der vier Smart-Teleskope spielt die Öffnung eine besonders wichtige Rolle. Sie bestimmt nicht nur die Lichtsammelleistung, sondern auch das theoretische Auflösungsvermögen.

Ein Teleskop mit 80 oder 90 mm Öffnung kann unter idealen Bedingungen feinere Strukturen voneinander trennen als ein Gerät mit 50 mm Öffnung.

Gerade bei kleineren Galaxien, Kugelsternhaufen oder feinen Strukturen in Nebeln kann das ein entscheidender Vorteil sein.

Neben der relativen Lichtsammelfläche lohnt sich deshalb auch ein Blick auf das theoretische Auflösungsvermögen nach dem Rayleigh-Kriterium.

TeleskopÖffnungRelative LichtsammelflächeTheoretische Auflösung
Seestar S50 Pro50 mm1,00 ×2,77″
Sky-Watcher ORBIS 60EDX60 mm1,44 ×2,31″
Vaonis Atlas80 mm2,56 ×1,73″
DWARFLAB Draco90 mm3,24 ×1,54″

Die Angaben zur Lichtsammelfläche beziehen sich auf das Seestar S50 Pro. Beim Draco ist die zentrale Abschattung der Spiegeloptik nicht berücksichtigt.

Was bedeutet das in der Praxis?

Je kleiner der Wert beim Auflösungsvermögen, desto feinere Details kann das Teleskop theoretisch unterscheiden.

Der Draco mit 90 mm Öffnung besitzt somit gegenüber dem Seestar S50 Pro mit 50 mm Öffnung einen deutlichen physikalischen Vorteil.

Allerdings entscheidet nicht allein die Optik über die tatsächlich sichtbaren Details. Auch die atmosphärische Luftunruhe (Seeing), die Pixelgröße des Sensors, die Nachführung und die Bildbearbeitung spielen eine wichtige Rolle.

Eine größere Öffnung bietet also mehr Potenzial, garantiert aber nicht automatisch das bessere Astrofoto.

DWARFLAB Draco – 50 Megapixel und eigener Guiding-Sensor

Ein besonders interessanter Punkt beim DWARFLAB Draco ist sein Bildsensor.

Der verbaute OmniVision OV50Q40 besitzt eine native Auflösung von rund 50 Megapixeln.

Durch das sogenannte 4-in-1-Pixel-Binning werden jeweils vier benachbarte Pixel zusammengefasst. Dadurch entstehen Bilder mit etwa 12,5 Megapixeln.

Das Ziel ist ein verbessertes Signal-Rausch-Verhältnis, insbesondere bei schwächeren Lichtsignalen.

Auch beim Guiding verfolgt DWARFLAB ein interessantes Konzept.

Der Draco verfügt über einen eigenen Guiding-Sensor, der über einen Off-Axis-Guider (OAG) arbeitet. Dabei wird ein Teil des Lichts aus dem optischen Strahlengang zur Nachführkontrolle genutzt.

Das kann eine präzisere Nachführung ermöglichen, insbesondere bei längeren Einzelbelichtungen.

In Verbindung mit der aktiven Sensorkühlung und der 90-mm-Öffnung ergibt sich auf dem Papier ein technisch sehr interessantes Gesamtpaket.

Wie gut diese Funktionen zusammenspielen, werden praktische Aufnahmen zeigen müssen.

Vaonis Atlas – ungewöhnliches Design und erste Hinweise auf den Sensor

Auch rund um den kommenden Vaonis Atlas wird es zunehmend spannend.

Neben den bisher genannten 80 mm Öffnung und 360 mm Brennweite kursieren inzwischen Bilder, die ein ungewöhnliches, asymmetrisches Design zeigen sollen.

Auffällig ist insbesondere eine offenbar fest montierte zusätzliche Kamera auf der Hauptsäule des Geräts.

Dabei könnte es sich um eine Zenith- beziehungsweise All-Sky-Kamera handeln, die den Himmel unabhängig von der Hauptoptik überwacht.

Welchen Zweck diese Kamera tatsächlich erfüllt, ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Auch beim Hauptsensor gibt es erste Spekulationen. Als möglicher Kandidat wird der Sony IMX585 gehandelt, ein 8,3-Megapixel-Sensor, der bereits in verschiedenen Astrokameras eingesetzt wird.

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, wäre insbesondere interessant, wie Vaonis den Sensor mit der neuen Optik und der eigenen Bildverarbeitung kombiniert.

Wichtig: Sowohl die Interpretation der aufgetauchten Bilder als auch die Vermutung zum IMX585 sind derzeit unbestätigt. Eine endgültige Bewertung ist erst nach der offiziellen Vorstellung möglich.

Die angekündigte Präsentation am 15. Oktober 2026 dürfte deshalb besonders interessant werden.

Welches Smart-Teleskop ist das richtige?

Das hängt stark davon ab, welche Erwartungen man an das Gerät hat.

Seestar S50 Pro: Interessant für Einsteiger, mobile Astrofotografen und Anwender, die ein möglichst unkompliziertes Komplettsystem suchen.

DWARFLAB Draco: Besonders spannend für ambitionierte Astrofotografen, die Wert auf eine größere Öffnung, aktive Kühlung und Guiding legen.

Vaonis Atlas: Eine mögliche Alternative für Anwender, die eine größere Optik mit einem stark automatisierten Aufnahmekonzept verbinden möchten. Hier müssen die vollständigen Daten noch abgewartet werden.

Sky-Watcher ORBIS 60EDX: Besonders interessant für Menschen, die neben der digitalen Fotografie auch direkt durch ein Teleskop beobachten möchten.

Fazit – der Wettbewerb wird spannender

Eines zeigt dieser Vergleich deutlich: Der Markt für Smart-Teleskope entwickelt sich weiter.

Während das Seestar S50 Pro mit seiner kompakten Bauweise und seinem Funktionsumfang überzeugt, versucht DWARFLAB mit dem Draco neue Möglichkeiten bei der Deep-Sky-Fotografie zu eröffnen.

Vaonis könnte mit dem Atlas einen leistungsfähigen Konkurrenten präsentieren, während Sky-Watcher mit dem ORBIS einen interessanten Weg zwischen klassischer Beobachtung und moderner Smart-Teleskop-Technologie einschlägt.

Welches dieser Geräte am Ende die besten Bilder liefert, lässt sich anhand der technischen Daten allein nicht beantworten.

Dazu braucht es praktische Vergleiche unter möglichst ähnlichen Bedingungen: gleiche Objekte, vergleichbare Gesamtbelichtungszeiten und eine nachvollziehbare Bildbearbeitung.

Für mich ist deshalb nicht entscheidend, welches Teleskop auf dem Papier die höchsten Zahlen bietet, sondern welches unter dem Sternenhimmel tatsächlich überzeugt.

Gerade für uns Hobbyastronomen ist diese Entwicklung spannend. Mehr Auswahl, neue technische Möglichkeiten und ein zunehmender Wettbewerb können langfristig nur von Vorteil sein.