Mit der Seestar-App Version 3.4.0 gibt es eine interessante Funktion, die besonders für die Astrofotografie von Bedeutung ist: die Dark Library. Damit baut das Seestar automatisch eine eigene Bibliothek aus Darkframes auf, die zur Reduzierung von Bildrauschen und anderen Sensorartefakten verwendet werden.

Was sind Darkframes überhaupt?

Bei längeren Belichtungszeiten entstehen auf dem Kamerasensor neben dem eigentlichen Bildsignal auch unerwünschte Störungen. Dazu gehören beispielsweise Hotpixel und thermisches Rauschen.

Darkframes sind Aufnahmen, die ohne Lichteinfall erstellt werden. Sie erfassen bestimmte Störungen des Sensors, die anschließend aus den eigentlichen Astrofotos herausgerechnet werden können.

Das Ergebnis sind sauberere Aufnahmen, die sich besser weiterverarbeiten lassen.

Wie funktioniert die neue Dark Library?

Das Interessante an dieser Funktion ist die automatische Verwaltung.

Das Seestar sammelt über die Zeit Darkframes bei unterschiedlichen Temperaturen und Belichtungszeiten und legt daraus eine Bibliothek mit sogenannten Masterdarks an.

Während einer Aufnahme greift das Gerät automatisch auf diese Bibliothek zurück und verwendet den Masterdark, der am besten zur aktuellen Belichtungszeit und Sensortemperatur passt.

Je häufiger das Seestar unter unterschiedlichen Bedingungen eingesetzt wird, desto umfangreicher wird die Dark Library.

Dadurch kann die automatische Darkframe-Korrektur langfristig von einer größeren Auswahl passender Kalibrierungsdaten profitieren.

Wo finde ich die Dark Library?

Die Funktion befindet sich in der Seestar-App unter folgendem Menüpfad:

Seestar-App → Ich → Geräteverwaltung → Sensorkalibrierung → Dark Library

Dort können die vorhandenen Masterdarks eingesehen und gespeichert werden. Besonders interessant ist, dass sich diese Daten auch für die eigene Bildbearbeitung mit externer Software verwenden lassen.

Wichtig: Masterdarks nicht löschen!

ZWO weist ausdrücklich darauf hin, dass die gespeicherten Masterdarks nicht aus dem internen Speicher des Seestar gelöscht werden sollten.

Sie bilden eine über längere Zeit aufgebaute Kalibrierungsbibliothek. Werden sie gelöscht, gehen die bereits gesammelten Referenzdaten verloren.

Mein Fazit

Die Dark Library ist meiner Meinung nach eine sinnvolle Weiterentwicklung der Seestar-Software.

Gerade für Nutzer, die regelmäßig Astrofotografie betreiben und ihre Aufnahmen auch extern bearbeiten, ist die Möglichkeit, auf gespeicherte Masterdarks zuzugreifen, interessant.

Besonders gefällt mir der Gedanke, dass das Seestar seine Kalibrierungsbibliothek im Laufe der Zeit automatisch erweitert und dadurch besser auf unterschiedliche Aufnahmebedingungen reagieren kann.

Wie groß der tatsächliche Qualitätsgewinn in der Praxis ausfällt, wird sich allerdings erst durch entsprechende Vergleiche zeigen.

CS Stefan

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